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Historische Hitzewelle im September beschert Wärmerekord
Sonniger Altweibersommer hält den Herbst vorerst noch auf Distanz

18.09.2020: Es ist schon beeindruckend, wie sehr der September in dieser Woche mit einer wirklich historischen Hitzewelle zu einem Hochsommermonat mutiert ist.
Am Rande des kräftigen Hochs LEIKI mit Kern über Rumänien und der Ukraine verstärkte sich am Dienstag der Warmluftvorstoß aus Südeuropa und sorgte an zahlreichen Wetterstationen in Westen Deutschlands für neue Wärmerekorde.
Auch in Eiweiler wurde mit 34,3 Grad die höchste September-Temperatur der 31-jährigen Messreihe erreicht und der bisherige Rekord von 32 Grad aus 2016 wurde somit deutlich überschritten. Vier heiße Tage über 30 Grad hat es seit Messbeginn in einem September noch nicht gegeben, und man kann davon ausgehen, dass es die heißesten Septembertage seit dem deutschlandweiten Rekord-September 1947 gewesen waren.
Damals wurde in Bühlertal (Baden-Württemberg) mit einer Temperatur von 36,5 Grad der Allzeit-Rekord für den September in Deutschland aufgestellt.
Am Donnerstag beendete die Kaltfront des Tiefs TAMONA bei Finnland die ungewöhnliche September-Hitzewelle ohne Regen und sorgte für einen markanten Luftmassenwechsel, der mit einem Temperatursturz von rund 12 Grad einherging – die subtropische Warmluft wurde durch kühlere, subpolare Festlandsluft ersetzt, die sich mit einem frischen Nordostwind durchgesetzt hat. Rasch baute sich über der Nordsee schon das neue Hoch MANFRED auf, und so setzt sich das spätsommerliche Wetter bis über das Wochenende hinaus fort. Mit blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein geht der scheinbar ewige Sommer in seine nächste Verlängerung.
Ein Höhentief über der Biskaya kann am Wochenende mit etwas feuchterer Luft zwar einige Wolkenfelder bringen, Schauer dürften aber die Ausnahme bleiben. Erst im Verlauf der nächsten Woche deutet sich eine Wetteränderung an.
Die Großwetterlage soll sich bis Ende der Woche grundlegend umstrukturieren, denn die bisher so langlebige und stabile Hochdruckzone wird sich in zwei Zentren aufteilen, ein Zentrum verlagert sich auf den Atlantik und das zweite nach Russland. In diese sich dadurch entstehende Lücke über Mitteleuropa können dann Tiefdruckgebiete vorstoßen.
Der Altweibersommer dürfte zur Wochenmitte mit einem markanten Wetterumschwung zu Ende gehen und der atlantischen Frontalzone kann es gelingen, die endlos lange Hochdruckdominanz zu brechen und der dürre geplagten Natur endlich den notwendigen Regen schenken.
Heute ist es sonnig mit einigen Federwolken und trocken bei Höchstwerten von 23 bis 25 Grad, der Nordostwind weht weiter kräftig.
Am Samstag und Sonntag ist es teils heiter, teils wolkig bei einem geringen Schauerrisiko, weil ein Höhentiefkomplex über der Biskaya feuchte und labile Luft in den Südwesten lenkt. Mit Temperaturen um 25 Grad bleibt es weiter spätsommerlich-warm.
Der Montag zeigt sich wieder sonniger und trocken bei Temperaturen bis 27 Grad. Nach freundlichem Beginn sind am Dienstag im Tagesverlauf einzelne Schauer und Gewitter möglich, die Temperaturen liegen um 24 Grad.
Ab Wochenmitte wird es spannend, denn ein Tief zwischen Island, England und Skandinavien greift mit seinen Ausläufern auf Deutschland über und beschert einen Wetterumschwung in den Herbst. So ist am Mittwoch mit kräftigen, schauerartigen Regenfällen mit Blitz und Donner zu rechnen, auch der Südwestwind frischt stark auf und bis Ende der Woche wird es immer kühler.
Tiefer Luftdruck vom Nordmeer und Skandinavien soll sich mit einer Trogwetterlage in Mitteleuropa etablieren. Dabei wird es unbeständig, wolkenreich und regnerisch. Zunächst liegen die Temperaturen um 20 Grad, gehen aber bis zum Wochenende auf jahreszeitliches Normalniveau zwischen 17 und 13 Grad zurück – der Herbst wird nach langer Schonfrist erstmals so richtig Einzug halten.
Man kann nicht oft genug betonen, wie sehr die gesamte Natur und auch die Landwirtschaft unter der extremen Dürre leiden Es ist erschreckend zu sehen, dass auf den Weideflächen schon lange kein frisches Gras mehr wächst und Kühe auf diesen, eher an eine Steppe erinnernde Landschaft grasen müssen. Auch die Laubverfärbung bei vielen Bäumen ist diesmal aufgrund Trockenstress und Hitze rund vier Wochen früher als sonst üblich.
Insofern ist ein Hoffnungsschimmer in Sicht, dass endlich wieder kostbares Nass vom Himmel kommt. Der September brachte bisher nur 5,6 mm Regen, was lediglich 8 Prozent des Solls darstellt.