Winter 2017/18

Milder, trüber und nasser Winter mit eisigem Finale - Auf regenreiche Witterung im Dezember und Januar folgte trocken-kaltes Winterwetter im Februar

Witterungsbericht der Wetterstation Eiweiler

Der diesjährige Winter zeigte sich abwechslungsreich und mild. Bei einem Mittelwert von 2,2°C fiel er im Vergleich zur gültigen Normperiode um 1,0 K zu mild aus und er war auch genau um 1,0 K milder als sein Vorgänger. 
Nimmt man die 25-jährige Norm der Eiweiler Messreihe seit 1989 als Grundlage, so betrug die positive Abweichung 0,7 K. 
Nach einem milden Dezember und einem extrem milden, völlig unwinterlichen Januar konnte ein kalter und frostiger Februar den zuvor großen Wärmeüberschuss noch etwas abbauen.

Die im Herbst begonnene westliche Strömung, die uns milde und regenreiche Luftmassen brachte, setzte sich auch im Dezember und Januar fort. Daher erlebten wir einen sehr regenreichen Winter bei einer Niederschlagssumme von 319 Liter pro Quadratmeter, was einen Überschuss von 28 Prozent bedeutet – so nass war ein Winter seit 6 Jahren nicht mehr. 

Auffällig war besonders die große Sonnenscheinarmut in diesem Winter, vor allem im ohnehin dunklen Dezember, als wir die Sonne wochenlang nicht zu Gesicht bekamen. Allerdings polierte der sonnige Februar mit einem Überschuss von 55 Prozent die Sonnenscheinbilanz des Winters doch noch etwas auf, so dass bei einer Sonnenscheindauer von 157 Stunden das Defizit auf 30 Stunden reduziert wurde.

Die besonderen Tage des Winters wiesen Defizite zur langjährigen Norm auf – mit 44 Frosttage traten 7 weniger als üblich auf; mit nur 9 Eistagen gab es sogar 14 weniger Dauerfrosttage als normal. Außerdem war der Winter 2017/18 im Saarland relativ schneearm, an 11 Tagen lag eine messbare Schneedecke und damit an 7 Tagen weniger als üblich. Die maximale Schneedecke betrug 8 Zentimeter.

Der Dezember war bei einer Niederschlagssumme von 126,4 mm ein nasser Monat, er war extrem trüb bei nur 17 Stunden Sonnenschein und mit 25 Trüben Tagen wurde der Rekord von 1993 egalisiert. Mit einem Mittelwert von 2,9°C war der Dezember um 1,4 K zu mild.
Der Start in den meteorologischen Winter verlief eigentlich viel versprechend für alle Winterfreunde, denn Tief TORSTEN bescherte am 1. Dezember ergiebige Schneefälle in den Morgenstunden, die zu einer Schneehöhe von 8 Zentimeter geführt haben. Dadurch kam es zu einem großen Verkehrschaos mit langen Staus auf den Autobahnen des Saarlandes – auch der Autor des Berichts war davon betroffen, denn der Weg zur Arbeit von Eiweiler nach Saarbrücken (23 Kilometer) dauerte mehr als zwei Stunden!
Dann folgte am ersten Adventswochenende eine kalte Nordlage bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, ehe am 4. Dezember Tauwetter einsetzte. Das Auf und Ab von milder und kalter Luft im Wechsel mit kurzen Winter-Gastspielen, die rasch wieder von Tauwetter beendet wurden, hielt in den Folgewochen an. Dabei gab es am 8. Dezember auch einen gewittrigen Schneeregenschauer. Zudem war es häufig windig bis stürmisch. Tief XANTHOS bescherte am 10. Dezember Schneefall, dem schnell wieder Tauwetter folgte, als Tief YVES mit Kern über Frankreich am nächsten Tag Regen und Milderung auf 8°C verursacht hat. Mit einem Luftdruck von 978 Hektopascal wurde gleichzeitig der tiefste Luftdruck des Jahres 2017 erreicht.
In der Nacht zum 14. Dezember kamen mit Durchzug von Sturmtief ZUBIN schwere Sturmböen auf. Das Nordseetief ANDREAS sorgte am 18. Dezember morgens für eine 6 Zentimeter hohe Schneedecke, die nachmittags mit Zufuhr milderer Luft abermals rasch geschmolzen ist. Am Rande des kräftigen Biskayahochs CARINA kam es vor Weihnachten zu Milderung auf 8°C. Feuchte Nordseeluft sickerte ein, wodurch es meist trüb mit etwas Sprühregen und mild an den Weihnachtstagen war. Turbulent verlief die Zeit zwischen den Jahren, es war nass-kalt, denn die Tiefs EDILBERT und GERNOT führten kurzzeitig subpolare Luft heran. Am 29. Dezember kam es zu einem kurzen Winter-Gastspiel mit kräftigem Schneefall am Nachmittag, ehe abends wiederum rasches Tauwetter die 5 Zentimeter hohe Schneedecke weg geschmolzen hat. Der vorletzte Tag des Jahres brachte ergiebigen Regen bei einer Tagesmenge von 24,1 mm und eine sprunghafte Milderung auf über 10°C setzte ein. Der Silvestertag verlief stürmisch und außergewöhnlich mild bei Höchstwerten von 12,5°C, wobei fast schon ein Hauch Vorfrühling zu spüren war, auch weil die Haselnuss ungewöhnlich früh mit der Blüte begann; sogar die ersten Schneeglöckchen spitzten zum Jahreswechsel aus der Erde.

Der Januar leistet sich dann quasi einen Winter-Totalausfall. Mit einem Mittelwert von 4,9°C erlebten wir den zweitwärmsten Januar der Messreihe hinter dem Rekordhalter 2007 mit 5,1°C.
Lediglich 4 magere Frosttage bedeuten einen neuen Rekord für einen Wintermonat, es wurde sogar nicht kälter als minus 1,5°C – auch das ein neuer Januar-Rekord.
Der atlantisch geprägte Januar fiel mit einer Niederschlagssumme von 172,7 mm extrem nass aus mit einem Überschuss von 121 Prozent – es war der regenreichste Januar seit 1995. Hochwasser an Saar, Mosel und Rhein war die Folge. Auch der hierzulande berühmte „Nebenfluss der Saar“, die Saarbrücker Stadtautobahn wurde erstmals seit 2011 wieder überflutet.

Der Start ins neue Jahr verlief windig und stürmisch, am Neujahrstag gingen Graupel- und Hagelschauer nieder. Die rasante Westwetterlage steuerte am 3. Januar auf ihren ersten Höhepunkt zu: Die Kaltfrontpassage von Sturmtief BURGHILD nach einer stürmischen Nacht ging am frühen Morgen mit Pauken und Trompeten über die Bühne, als ein kurzes Gewitter mit sintflutartigen Regengüssen und orkanartigen Böen über das Saarland zog.
Unter Hoch ADAM und BORCHERT kam es vor der Monatsmitte nur zu einer vorübergehenden Wetterberuhigung bei leichter Abkühlung bis auf 3°C am 14. Januar mit geringem Nachtfrost.
Auf den Tag genau 11 Jahre nach Orkan KYRILL zog am 18. Januar Orkantief FRIEDRIKE über Deutschland hinweg. Sehr regenreich, unbeständig und sehr mild bei Temperaturen bis 10°C ging der total unwinterliche Januar zu Ende – der eigentliche Hochwintermonat war von den Temperaturen her ein verfrühter März.
Die extrem milde Witterung sorgte auch dafür, dass bereits die ersten Krokusse mit der Blüte begannen, Gänseblümchen blühten ohnehin den ganzen Winter hindurch und Wiesen und Felder waren Ende Januar satt-grün wie im Frühling.

Völlig anders verlief der Februar, der wenigstens noch ein bisschen die Ehre des Winters gerettet hat. Er stand damit im krassen Gegensatz zum Januar, denn der Februar fiel sagenhafte 6,1 K kälter als noch der Januar aus. Mit einem Mittelwert von minus 1,2°C war der Februar immerhin 2,8 K kälter als im langjährigen Mittel – er war der kälteste Februar seit 2012.
Aufgrund der hochdruckgeprägten Witterung zeigte sich der Februar bei einer Niederschlagsmenge von 19,9 mm relativ trocken, so dass er nur knapp 30 Prozent des Solls brachte. Zuletzt war der Februar 2003 so trocken.
Außerdem war der Februar mit 4 Schneedeckentagen schneearm, dafür traten aber 26 Frost- und 19 Wintertage auf.

Zu Beginn des Monats sorgte eine Trogwetterlage durch Tief KARI für nass-kalte Witterung bei Temperaturen um 3°C. Am 4. Februar schneite es und die Strömung drehte auf Nordost. Danach bestimmte Hoch DINO mit einer Nordostlage unser Wetter bei tagsüber leichten Plusgraden und es war meist trüb, nachts herrschte leichter Frost. Am 13. und 14. Februar zeigten sich sonnige Wintertage mit Nachtfrost bis minus 6°C. Tief RENATE brachte am 15. Februar Niederschläge, die bei Milderung von Schnee in Regen übergingen. Die Temperaturen stiegen am 16. Februar bis 8°C an. Am 18. Februar baute sich Hoch ENRIC auf, Sonnenschein wechselte sich mit Hochnebel ab und zunächst trat nur geringer Nachtfrost auf, während tagsüber leichte Plusgrade herrschten.
An der Südflanke der Hochdruckgebiete FRITZ und HARTMUT über Nordeuropa kam es in der dritten Dekade zu einem massiven arktischen Kaltlufteinbruch. Sibirische Frostluft strömte mit einem starken Nordostwind ein, der zeitweise auch stürmische Böen im Gepäck hatte. Es wurde sonnig und ab dem 25. Februar setzte mäßiger Dauerfrost ein. Tagsüber war es bei Höchstwerten um minus 5°C eisig kalt und mit strengen Nachtfrösten von minus 10°C bis minus 12°C ging der Winter zu Ende.
Nach der wochenlangen milden Witterung bescherte der Winter uns doch noch ein eisiges Finale mit einer ausgeprägten Kältewelle.

Eiweiler, den 25. März 2018
Wetterstation Eiweiler

Jörg Hoffmann

  • bw18-1
  • nw18-1
  • tmw18-2
  • tw18-1
  • tw18-2

Simple Image Gallery Extended