2017 – ein Wetterjahr wie auf einer Achterbahn

Nach Trockenheit viel Regen – Kälterückfall im April nach Rekord-März – Hitzewelle im Mai und ein gewitterreicher, feucht-heißer Sommer

Witterungsbericht der Wetterstation Eiweiler

Das zu Ende gegangene Wetterjahr 2017 hat dem Saarland wieder zahlreiche Kapriolen und der Eiweiler Wetterstation neue Rekorde beschert – oft fühlten wir uns wie auf einer Achterbahn.

Der Winter trumpfte im Januar noch mit strenger Kälte auf, während der Februar viel zu mild verlief. Das Frühjahr war von Rekorden gekennzeichnet, denn auf einen extrem warmen März folgte eine einmalige Trockenheit im April, ehe sich im Mai eine Hitzewelle wie im Hochsommer einstellte, die mit Temperaturen von 33°C zu einem neuen Mai-Rekord der Messreihe geführt hat. Schließlich zeigte sich der Sommer zwar eher wechselhaft, gewittrig und nass, doch insgesamt sehr warm mit vielen Hitzetagen.

In der zweiten Jahreshälfte schien die Sonne weniger als üblich und der Herbst verlief regenreich mit einem kühlen September, der erstmals seit sieben Jahren keine Sommertage mehr gebracht hatte. Außerdem traten diesmal mit XAVIER und HERWART außerordentlich kräftige Herbststürme auf, die vor allem im Norden und Osten Deutschlands schwere Schäden verursachten und dort den Bahnverkehr lahmlegten.

Die lange Serie der viel zu milden Jahre setzte sich auch 2017 fort – das Jahr war bei einem Mittelwert von 10,0°C um 1,1 K wärmer als im langjährigen Durchschnitt. Der wärmste Tag des Jahres trat am 20. Juni bei einer Temperatur von 35,0°C auf, während die tiefste Temperatur am 7. Januar mit minus 11,5°C gemessen wurde.

Sieben trockene Monate stehen nur fünf nassen gegenüber und bis zum Juni hielt sich eine hartnäckige Trockenheit. Allerdings war die zweite Jahreshälfte regenreich, und dank hoher Regensummen im November und Dezember wurde letztlich doch noch das sich im ganzen Jahr aufgebaute, große Niederschlagsdefizit komplett ausgeglichen: Bei einer Niederschlagssumme von 923 Liter pro Quadratmeter wurde nahezu das Soll erreicht.

Dass der Sommer trotz seines wechselhaften Charakters noch viele Hitzewellen beschert hat, zeigen eindrucksvoll die 18 Heißen Tagen, was die zweithöchste Anzahl dieser Tage innerhalb der Messreihe hinter 2003 und 2015 bedeutet. Es traten dabei doppelt so viele Heiße Tage auf, wie gemäß der Eiweiler-Norm zu erwarten wäre. Auch die Anzahl der Tage ab 20°C, die so genannten Warmen Tage,  erreichten mit 117 einen Spitzenplatz hinter dem Rekordhalter 2003. Darüber hinaus wurden immerhin 49 dieser Tage zu echten Sommertagen mit 25°C und mehr, was den 6. Rang der Messreihe bedeutet.

Ebenfalls ein Spitzenplatz wurde bei den Gewittertagen erreicht, da 23 Tage mit Blitz und Donner auftraten – gewitterreich war vor allem der Juli mit 7 Gewittertagen.

Der Luftdruck sank in Eiweiler am 11. Dezember durch Tief YVES über Frankreich mit 978 Hektopascal auf den tiefsten Stand seit Ende Januar 2015.

Das Jahr 2017 begrüßte uns an Neujahr mit einer herrlich Raureif geschmückten Landschaft bei eisiger Kälte. Der kälteste Januar seit 2010 war geprägt durch eine trockene Kälteperiode mit strengem Nachtfrost – insgesamt vier Mal sank das Quecksilber unter minus 10°C mit einem Minimum von -11,5°C am 7. Januar. Unterbrochen wurde das Winterwetter um den 13. Januar mit einer turbulenten Westlage bei Milderung und Orkantief EGON, das dem Saarland schwere Sturmböen bis hin zu Orkanböen gebracht hat, wie in Tholey mit 120 km/h und Berus mit 126 km/h. Ab Monatsmitte übernahm das von Skandinavien nach Mitteleuropa gezogene Hochdruckgebiet BRIGITTA mit sonnigem Winterwetter die Regie. Während in Eiweiler kein Schnee lag, wurde im nördlichen Saarland oberhalb von 350 bis 400 Meter jedoch eine Schneedecke angetroffen. Auch der größte See in der Region, der Bostalsee im Nordsaarland war aufgrund der strengen Nachtfröste zugefroren. Gegen Monatsende erfolgte jedoch ein rascher Wetterumschwung zu Milderung und Regen.

Im Februar schien der Winter schon zu Ende zu sein, denn außer leichtem Nachtfrost bis -4,5°C war von der kalten Jahreszeit nur noch wenig zu spüren. Bei einer positiven Abweichung zur Norm von 2,6 K verlief der Februar viel zu mild. Zuerst war es unbeständig mit Regen, ehe ein Höhentief am 10. und 11. Februar für ein kurzes Winter-Intermezzo mit etwas Schnee bescherte, der aber rasch wieder taute. Danach sorgte Hoch ERIKA über dem Balkan mit einer Südwestströmung zur Monatsmitte für einen Hauch Vorfrühling bei Sonnenschein und Temperaturen bis 14°C. Im Verlauf der zweiten Monatshälfte setzte sich die atlantische Westströmung voll durch, es wurde sehr windig bis stürmisch und nass. Gegen Monatsende verstärkte sich am Abend des Rosenmontags die Kaltfront des Tiefs UDO zu einer richtigen Unwetterfront wie man es sonst nur vom Sommer gewöhnt ist: Gewitter mit Starkregen und schweren Sturmböen, örtlich sogar orkanartige Böen bis zu 108 km/h, wie am Flughafen Saarbrücken-Ensheim, waren die Folge.

Der März wurde bei einem Temperaturmittel von 8,1°C, das entspricht einer Abweichung von 3,5 K zur Norm, zum wärmsten März nicht nur der Messreihe, sondern seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland. Das erste Monatsdrittel verlief unter Tiefdruckeinfluss regnerisch und abwechselnd mild und kühl. Ab der zweiten Dekade hielt der Frühling dank der stabilen Hochs JOHANNA und KAHRIN mit sonnigen Tagen rasch Einzug im Saarland, wobei die Temperaturen am 16. März bis 19°C angestiegen waren. Vom 18. bis 22. März wurde der Frühling durch den Atlantik nochmals in die Schranken verwiesen, die Luft kühlte auf 6 bis 10°C ab, es war windig mit Regen. Zum Endspurt des März setzte der Frühling dann zu einem Höhenflug an; die Hochdruck-Damen LUDWIGA und MARRIT verwöhnten uns mit einer herrlichen Schönwetterperiode mit wolkenlosen Frühlingstagen und rascher Erwärmung auf über 20°C – am 31. März wurde 21,7°C gemessen.

Ungewöhnlich für einen März war die Tatsache, dass es nur noch einen einzigen Frosttag bei 0°C am 8. März gegeben hat.

In der ersten Aprilhälfte setzte sich das Frühlingswetter aus dem März nahtlos fort. Hoch NESSA bei den Britischen Inseln und Hoch ORTRUD bescherten fast schon frühsommerliche Wärme bei Temperaturen bis 24°C. Doch nach diesem Bilderbuch-Frühling kam es ab der zweiten Monatshälfte zu einem herben Kaltluftrückfall aus dem hohen Norden. Eine für den April typische Nordwetterlage brachte eine Hochdruck geprägte Witterung mit starker Abkühlung in den Nächten, so dass Nachtfrost bis -3°C auftrat. In der aufgrund der frühen Wärme im März weit fortgeschrittenen Vegetation kam es dadurch zu großen Frostschäden, vor allem bei der Obstbaumblüte oder auch in den Weinanbaugebieten der saarländischen Obermosel. Auch tagsüber war es bei Höchstwerten von 6 bis 10°C empfindlich kalt.

Im April herrschte eine extreme Trockenheit – bei einer Niederschlagssumme von lediglich 4,5 Liter pro Quadratmeter wurde der April zum absolut trockensten Monat der Eiweiler Wetterstation. Bei den Windrichtungsanteilen hat der Nordwind mit 20,1% den bisherigen April-Rekord aus 1997 gebrochen.

Wechselhaft mit weiteren Kaltlufteinbrüchen präsentierte sich der Mai in der ersten Dekade. Endlich kam der lang ersehnte Regen; am 3. Mai entlud sich sogar ein Gewitter mit Starkregen und Hagel. Die verfrühten Eisheiligen machten sich am 10. Mai mit Bodenrost und Reif bemerkbar. Zur Monatsmitte bescherte uns Hoch TILLY mit einem kräftigen Warmluftvorstoß bereits einen Vorgeschmack auf den Hochsommer mitten im Spätfrühling – am 17. Mai kletterten die Temperaturen auf 29°C. Die Gewitterfront von Tief CHRISTIAN beendete dieses heiße Intermezzo schon einen Tag später. Ein wahrer Segen für die von der Dürre der Vormonate gebeutelten Natur war der ergiebige Regen, für den am 19. Mai Tief DANKMAR bei einer Tagessumme von 29,1 mm gesorgt hat.

In der letzten Dekade lief der Wonnemonat Mai mit einer stabilen Schönwetterperiode zur Höchstform auf; zuerst brachte Hoch VESNA sonniges Frühlingswetter bei Temperaturen bis 25°C, ehe sich danach durch Hoch WALRITA mit subtropischer Warmluft eine eindrucksvolle Hitzewelle wie im Hochsommer bei Höchstwerten bis 33°C einstellte – ein neuer Mai-Rekord! Vom 27. bis 29. Mai traten 3 Heiße Tage auf.

Das erste Junidrittel verlief wechselhaft und kühler. Dabei bescherte das für den Sommer ungewöhnlich kräftige Sturmtief INGRABAN nach Pfingsten am 6. Juni Sturmböen und sehr kühle Luft bei 13°C – durch den kräftigen Wind wurde sogar ein großer Ast des Apfelbaums im Garten der Wetterstation abgerissen. Ab der zweiten Dekade hielt der Hochsommer Einzug. Die Hochs ANNI und BARBARA sowie nach der Monatsmitte das Hoch CONCHA brachten mit Temperaturen über 30°C eine erneute Hitzewelle. Der 20. Juni wurde mit 35°C zum heißesten Tag des Jahres – gleichzeitig war es auch die höchste Juni-Temperatur der Messreihe.

Eine Unwetterfront zog am 22. Juni über Teile des Saarlandes, die lokal Starkregen und Hagel verursacht hat; Eiweiler blieb davon verschont, hier fielen bei 0,7 mm nur wenige Tropfen. Zum Monatsende wurde es unter Tiefdruckeinfluss wechselhafter und kühler bei Schauern. Tief RASMUND zog dabei seine Kreise über Deutschland, wobei Berlin und Brandenburg schwer getroffen wurden durch Rekordregen und Überschwemmungen. Am 29. Juni sorgte ein Wolkenbruch in Eiweiler bei einem Gewitter für eine Regensumme von 21,5 mm binnen einer Stunde. Insgesamt traten im Juni 7 Heiße Tage auf, was einen neuen Rekord bedeutete.

Im Juli wechselten sich Sonne, Hitze, Regen und Gewitter ab – der Schaukel-Sommer im Juli verlief zwar sehr nass bei einer Monatssumme von 134,2 mm, aber trotzdem war es sehr warm mit 7 Heißen Tagen. Nach sehr kühlem Beginn bei Temperaturen um 15°C stellte sich eine fünftägige Hitzewelle ein. Hoch FRANCOISE bescherte Höchstwerte bis 34°C. Die hochsommerliche Achterbahnfahrt mit Blitz und Donner ging bis Monatsende weiter. Am 24. Juli sorgte Tief ALFRED für sintflutartige Regenfälle; dabei fielen binnen weniger Stunden 30,6 mm. Durch die große Last des Regens krachte sogar ein Trauerweidenast vom Nachbargrundstück auf unseren Garten-Pavillon.

Wieder einmal hat sich in diesem Sommer die berühmt-berüchtigte Siebenschläferregel eindrucksvoll bestätigt, denn auch im August hatte die wechselhafte Großwetterlage weiterhin Bestand. Im ersten und zweiten Drittel wurde es nicht wärmer als 27°C, vom 10. bis 12. August kam es kurzzeitig schon zu einem frühherbstlichen Einbruch bei 15 bis 17°C. Im letzten Augustdrittel verwöhnten uns die beiden Hochdruck-Damen NILÜFER und OLDENBURGIA mit der stabilsten Schönwetterphase des ganzen Sommers. Sonnige Spätsommertage mit Erwärmung bis 30°C entschädigten für das ständige Auf und Ab der letzten Wochen.

Der kühlste September seit 2010 bei einem Mittelwert von 12,1°C (-1,0 K) verlief nass und unbeständig. Bei einer Regensumme von 98,1 mm war der Monat um 40 Prozent zu nass. Vor der Monatsmitte fiel ergiebiger Regen und der erste, ziemlich frühe Herbststurm der Saison zog mit SEBASTIAN über das Land. Durch die aufgeweichten Böden und den Sturm kippten sogar die Bohnenstangen in unserem Gemüsegarten komplett um. Erst in der dritten Dekade erfolgte der Übergang zu sonnigem Altweibersommer, der uns dank Hoch ROSI angenehme Wärme von 18 bis 24°C beschert hat.

Herbstlich und wechselhaft startete der Oktober, es war kühl und regnerisch. Doch noch vor der Monatsmitte gab sich der goldene Oktober mit wolkenlosen Tagen bei nochmals spätsommerlicher Wärme bis 24°C die Ehre – es waren die wirklich letzten südlichen Tagen des Jahres. Gegen Monatsende setzte sich der Herbst mit der atlantischen Westströmung bei Regen und kühler Luft voll durch. Dabei beeinflusste am 29. Oktober Sturmtief HERWART vor allem den Norden und Osten Deutschlands, so dass dort wegen umgestürzter Bäume der Bahnverkehr lahmgelegt wurde. Auch der Autor des Berichts war davon betroffen, als die Reise nach Berlin zum Besuch beim Verein der Berliner Wetterkarte zu einer Abenteuerfahrt wurde, da die Zugfahrt vom Saarland nach Berlin sage und schreibe 13 Stunden gedauert hat!

Rückseitig des Sturmtiefs zog Hoch VERA von den Britischen Inseln herein und in der eingeflossenen Kaltluft trat am 30. Oktober der erste Frost der Saison auf.

Der November startete sehr mild mit Temperaturen bis 16°C, ehe im weiteren Verlauf kühles und nasses Herbstwetter bei einstelligen Höchstwerten die Regie übernahm. Kurzzeitig strömte am 22. November sehr milde Luft bei 14,3°C ein. Danach wurde es bis Monatsende bei Regen und Wind nass-kalt bei Temperaturen um 4°C, denn über Mitteleuropa setzte sich eine Trogwetterlage mit Tief TORSTEN durch.

Mit einer Regensumme von 141 mm, was einem Überschuss von 64 Prozent entspricht, war der November der regenreichste Monat des Jahres.

Pünktlich zum Start in den Dezember hat uns der erste Wintereinbruch starken Schneefall beschert, so dass sich eine 8 cm hohe Schneedecke gebildet hat, die für einen stimmungsvollen ersten Advent gesorgt hat, ehe am 4. Dezember Tauwetter einsetzte. Bis zum dritten Advent wechselten sich bei West- und Nordwestlagen kalte und mildere Luftmassen ab, kurze Winter-Gastspiele mit Schnee wurden schnell wieder durch Tauwetter beendet. Das kräftige Azorenhoch CARINA leitete vor Weihnachten eine zunehmende Milderung ein, die zum Jahreswechsel mit sehr milden Werten um 12°C ihren Höhenpunkt erreichte.

Das Jahr 2017 ging stürmisch und regnerisch zu Ende, wobei am 30. Dezember Tief GERNOT mit ergiebigem Regen eine Tagessumme von 24,1 mm gebracht hat. Mit nur 17 Stunden Sonnenschein zählte der Dezember hinter seinen Vorgängern aus 1993 und 2014 zu einem der trübsten Dezembermonate der letzten fast drei Jahrzehnte.

WETTERSTATION EIWEILER
Eiweiler, den 27.01.2018
Jörg Hoffmann

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